Dienstag, 8. Januar 2008

Spiegel.de :Merrill-Lynch-Banker sieht USA schon in der Rezession

Merrill-Lynch-Banker sieht USA schon in der Rezession spiegel.de

Das Wirtschaftsimperium wankt. Nach Einschätzung des Merrill-Lynch-Chefökonomen David Rosenberg ist eingetreten, was viele fürchten: Die USA stecken wegen der Kreditkrise in einer Rezession.

Washington – Die Vorzeichen sind ungünstig, seit Monaten schon. Seitdem die US-Hypothekenkrise Amerika und die halbe Welt in Atem hält, häufen sich die Alarmsignale für die amerikanische Wirtschaft. Immer wieder haben Ökonomen gewarnt, die USA könnten in eine Rezession schlittern.

Ein wenig schwang da wohl die Hoffnung mit, dass sich alles noch als Trugschluss von Pessimisten erweist und man eventuell noch einmal mit einem Nullwachstum davonkommt. Tatsächlich aber ist der Niedergang schon viel weiter fortgeschritten, als befürchtet. Die US-Wirtschaft befinde sich bereits mitten in der Rezession, sagte David Rosenberg, Chefökonom der Investmentbank Merrill Lynch, der BBC.

Als Beweis führt Rosenberg die gestiegene Arbeitslosigkeit an. Dem Arbeitsmarktbericht vom vergangenen Freitag zufolge ist die Arbeitslosenrate in den USA im Dezember auf fünf Prozent gestiegen – und damit so hoch, wie seit mehr als zwei Jahren nicht mehr. Niemals in den vergangenen 60 Jahren, so Rosenberg in einer Notiz an Kunden, sei die Arbeitslosenrate innerhalb so kurzer Zeit derart signifikant angestiegen. Im März 2007 lag die Arbeitslosigkeit noch bei 4,4 Prozent.

Bereits am Wochenende hatte der Volkswirt der renommierten Harvard-Universität, Martin Feldstein, die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in den USA auf mehr als 50 Prozent geschätzt. Auch die Ökonomen Richard Berner und David Greenlaw von der Investmentbank Morgan Stanley teilen die Auffassung Rosenbergs. "Die Schlüsselfrage ist nun, wie tief die Rezession sein und wie lange sie andauern wird", zitiert die Finanzzeitschrift "Investment News" aus einem Report der beiden Finanzexperten.

Auch US-Präsident George W. Bush hatte gestern Abend Probleme der US-Wirtschaft eingeräumt und von "zunehmend gemischten" Konjunkturaussichten gesprochen. "Wir können das Wachstum nicht als gegeben ansehen", sagte Bush in einer Rede. Noch deutlicher wurde Finanzminister Henry Paulson. Die Immobilienkrise, so der Minister, sei noch lange nicht ausgestanden. Paulson empfahl, die Zinsen für Schuldner mit geringer Bonität einzufrieren, um eine Ausweitung der Krise (mehr...) zu vermeiden.

Zudem wurde gestern bekannt, dass das US-Haushaltsdefizit in den vergangenen drei Monaten erneut gestiegen ist. Nach einer Schätzung des Haushaltsbüros des Kongresses lag es im ersten Viertel des Steuerjahres, das am 1. Oktober begann, um 27 Milliarden Dollar höher als im Vorjahreszeitraum.

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